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„Ich war am Boden zerstört, weil ich es einfach nicht verstanden hatte. Ich musste dort weg, nur wegen meines Alters“, beschreibt unsere neue Verteidigerin, Carolin Foertsch, eines der prägendsten Ereignisse ihres Fußballerlebens. Caro ist in der Nähe von Dortmund aufgewachsen und dort auch zum Fußball gekommen. Mit den Nachbarskindern traf sie sich bereits mit fünf Jahren auf einem kleinen Bolzplatz und kickte dort mit ihnen. „Im Ruhrgebiet spielen alle Fußball. Und da bist du dann auch schwarz-gelb oder blau-weiß. Durch meine Nachbarschaft gehöre ich dem Dortmunder Lager an. Einer der Jungs mit denen ich kickte war in einem Verein und das wollte ich dann auch unbedingt. So kam ich zum PSV Bork“, erzählt die heute 30-Jährige. Dort spielte sie dann bei den Jungs mit, was ihren fußballverrückten Opa sehr freute. Der befeuerte ihre Leidenschaft nochmal ein wenig mehr und so hatte Caro in dieser Zeit unheimlich viel Spaß. „Ich erinnere mich noch besonders an meinen damaligen Trainer, den Ralf. Der war zwar ziemlich streng, hat von klein auf viel Disziplin gefordert und wir hatten ein für das Alter heftiges Taktik-, Technik- und Konditionstraining, aber es hat wirklich Spaß gemacht und alles worauf ich in den Jahren danach aufbauen konnte, habe ich von ihm gelernt“, erzählt die gebürtige Kölnerin.

Eigentlich die perfekte Fußballwelt für Caro, dann aber das Problem, was viele junge Frauen im Fußball kennenlernen. „Als ich dann zwölf Jahre alt wurde, da musste ich in ein Mädchenteam wechseln. Damit kam ich dann überhaupt nicht klar“, so Carolin. Es sei eine lange Eingewöhnungsphase nötig gewesen. Dinge wie Körpereinsatz hatte sie bei den Jungs ganz anders kennengelernt und daher hatte sie Probleme sich ins Team zu integrieren. „Da kamen dann so Kommentare, dass ich nicht so feste schießen solle oder im Training die Mitspielerin nicht zu feste schubsen solle. Als dann auch noch der Trainer wechselte, mit dem ich dann auch nicht so klar kam, habe ich erst mal mit dem Fußball aufgehört“, erinnert sich die Verteidigerin. Parallel hatte sie bereits mit dem Fechten angefangen und sich dann mehr darauf konzentriert. So ganz konnte sie dann aber doch nicht ohne Fußball und so schloss sie sich im Jahr 2007 dem SV Südkirchen an. „Da habe ich mich dann sehr wohlgefühlt. Ich fing in der B-Jugend an und wurde dann recht schnell zu den Frauen hochgezogen. Ich habe dann an den Wochenenden teilweise zwei Spiele gemacht. Auch hier hatte ich einen coolen Trainer, den Michi. Das Training war immer sehr witzig, aber auch er hatte sehr großen Wert auf Disziplin gelegt“, sagt Caro.

Das Streben nach mehr

Eigentlich eine schöne Zeit, doch nach zwei Jahren war Südkirchen für Carolin Foertsch dann doch wieder Vergangenheit. „Ich hatte das Bestreben nochmal höher zu spielen. Darum bin ich nach der elften Klasse nach Duisburg gezogen, habe dort das Abi gemacht und bin zum FCR gewechselt“, berichtet Caro. Der FCR ist inzwischen in den MSV Duisburg eingegliedert worden, als reiner Frauenfußballverein wurde die Mannschaft in der Zeit als Caro dort war mit der heutigen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zwei Mal DFB-Pokalsieger. Caro allerdings spielte in der dritten Mannschaft dieses erfolgreichen Vereins, der als MSV in der vergangenen Saison aus der Bundesliga abstieg. Nach dem Abi versuchte sie sich dann nochmal beim 1. FFC Recklinghausen, wo sie zwar in der zweiten Mannschaft agierte, allerdings ab und an Erfahrung im Regionalligateam sammeln durfte. „Und da habe ich dann auch gemerkt, dass das vielleicht ein wenig zu hoch für mich ist. Die Spielerinnen haben eine wahnsinnige Technik auf dem Niveau. Es war super anstrengend, aber eine schöne Erfahrung“, so Carolin. Über den TuS Niederarden und dem SV Berghofen fand Caro dann den Weg zu unserem Greifswalder FC.

Bereits 2019 war Caro nach Greifswald gezogen. In erster Linie aber nicht wegen Fußball, sondern für ihr Medizinstudium. Diese Studienrichtung wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. „Ja, also bis auf einen Onkel von mir sind eigentlich alle Ärzte in der Familie und alle in verschiedenen Fachrichtungen. Auf Familientreffen wird dann entsprechend auch viel über Medizin gesprochen und daher war es für mich eigentlich recht früh klar, dass ich auch in die Richtung gehen möchte“, erzählt Foertsch. Zunächst hatte sie noch eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin im Rettungsdienst gemacht und arbeitet auch gegenwärtig noch als solche. Das Interesse für diesen Bereich kam über ihr FSJ, bei dem Sie mit einem Assistenzarzt mit in den Schockraum durfte und die Arbeit dort sah. Dass sie die Ausbildung machte lag aber auch daran, dass sie lange auf ihren Studienplatz warten musste. „Acht Jahre waren es letztendlich. Aber ich war mit der Ausbildung auch super glücklich und jetzt freue ich mich, dass ich Humanmedizin studieren darf. Stand jetzt würde ich mich dann wohl als Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin spezialisieren“, so Caro.

Das Studium nahm einen großen Platz in ihrem Leben ein, sodass für Fußball nicht mehr viel Zeit blieb. „Ich traf mich nur mit ein paar Kommilitonen die auch Humanmedizin studieren um freizeitlich ein bisschen zu kicken“, erzählt die Studentin. Eine die dort ebenfalls mitspielte war Rabea Weglowski, die wir vor ein paar Wochen bereits vorgestellt hatten. „Die hat mir dann auch schon vom GFC erzählt und natürlich habe ich mich auch schon im Internet schlau gemacht. Aber bis zum vergangenen November habe ich es noch gelassen. Dann habe ich es ohne Fußball aber doch nicht mehr ausgehalten und bin mal zum Probetraining gegangen“, berichtet Foertsch. Dort wurde Caro dann sehr herzlich aufgenommen und auch direkt zum Mannschaftsabend eingeladen. „Dadurch ist der Kontakt natürlich auch sehr schnell recht eng geworden“, sagt sie. Mit dem Team möchte die begeisterte Motorradfahrerin eine möglichst gute Platzierung erreichen. „Wenn die Mannschaft so zusammenspielt wie ich das bisher gesehen habe, dann sollte das machbar sein. Und ich möchte dabei natürlich helfen so gut es eben geht“, sagt Caro abschließend. Ihr Debüt könnte sie beim Testspiel am 20. Februar gegen Stralsund geben. Caro, wir werden mit unserem Twitter-Liveticker vor Ort sein und hoffentlich über die eine oder andere gute Aktion von dir berichten. Schön, dass du da bist!

Foto: Bodo Goeckel

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