Nach dem Sieg in Rostock vor einer Woche ging es für unsere ersten Frauen auch am vergangenen Spieltag wieder in ein Auswärtsspiel. Dieses Mal hieß das Ziel Penzlin. Ein Team, das sie eigentlich ganz gut kennen, hatten sie doch in der Vorbereitung und am ersten Spieltag bereits Siege über die Gelb-Blauen eingefahren. Doch dieses Mal waren es andere Vorzeichen. Wegen verletzungsbedingtem Personalmangel bei unserem GFC wurde 9’er Feld gespielt. „Im Spiel merkte man direkt, dass wir das nicht mehr gewöhnt sind. Der Zug zum Tor hat gefehlt, wir kamen überhaupt nicht in die gefährlichen Zonen und konnten unser ruhiges, geordnetes Aufbauspiel nicht praktizieren“, sagt Kapitänin Christiane Günther. Und auch Flügelspielerin Laura Bürger pflichtet ihr bei. „Auf mich wirkte das Spiel ganz schön chaotisch, der Ball ging viel von der einen Hälfte in die andere Hälfte. Wir waren kaum im Ballbesitz und wenn wir den Ball hatten, dann nicht sehr lange. Uns fiel schon der Spielaufbau schwer. Wenn wir vor das Tor der Penzlinerinnen kamen, dann meist durch lange Bälle, die wir nicht ordentlich verwerten konnten“, so Bürger. Eine schwierige Situation also, erschwert noch dadurch, dass Penzlin damit besser umging und nach 25 Minuten auch tatsächlich die Führung erzielte.

In solchen Momenten in denen nichts zu funktionieren scheint, helfen manchmal Standardsituationen. So auch in diesem Fall. Christiane Günther hatte schon in der Vorwoche mit einem Freistoßtor geglänzt und versuchte es auch in Penzlin wieder. Auch in ihrem letzten Spiel vor ihrem Umzug nach Berlin gelang ihr auf diese Weise der 1:1-Ausgleich, ihr insgesamt 29. Treffer im Trikot unseres Greifswalder FC und auch der Halbzeitstand. „Unser Betreuer Wolfgang Kurth hat mich in der Pause dann auch darauf hingewiesen, dass mir nur noch einer bis zur 30 fehlt. Das war natürlich nochmal Motivation für mich“, so Günther. Was allerdings in der Halbzeitpause verpasst wurde, war die Umstellung des Systems. „Ich hatte mit Johanna Grube schon relativ früh im Spiel festgestellt, dass wir die Penzlinerinnen beim Abstoß nicht zustellen konnten, da wir hinten eine Viererkette hatten und uns deshalb jemand vorne zum Zustellen fehlte. Aber wir konnten auch nicht einfach jemanden aus der Viererkette vorrücken lassen. Also haben wir erst einmal so weiter versucht“, erzählt Laura Bürger. Resultat war jedoch, dass auch nach der Pause noch der Schwung fehlte. Und zu allem Überfluss passierte nach 55 Minuten das, was nicht passieren durfte: Penzlin gelang erneut die Führung.

Kampf bis zur letzten Sekunde

Was unsere Mädels besonders in dieser Saison auszeichnet ist ihre mentale Stärke. Sie bewiesen, dass sie mit Rückständen umgehen können, hatten auch in Rostock zwei Mal das Comeback geschafft und das Spiel noch gedreht. Doch in Penzlin schien es anders zu laufen. Ein weiterer Nackenschlag folgte nach knapp 70 Minuten, als die Gastgeberinnen einen vermeintlich unberechtigten Elfmeter zugesprochen bekamen. Nichtsdestotrotz verwandelte Penzlin ihn zum 3:1 und die Messe schien endgültig gelesen. „Ehrlich gesagt glaubte ich in dem Moment nicht mehr an die Wende. Wenn man sieht wie die Gegnerinnen ganz entspannt den Ball holen und weiß, man liegt 2 Tore zurück und dass das Spiel nicht mehr lange dauern kann, dann scheint ein Unentschieden in ganz weiter Ferne zu liegen. Doch das heißt ja nicht, dass man aufgeben muss und den Gegnern vielleicht noch Chancen für weitere Tore geben muss. Man kann ja immer noch ein Tor schießen“, erzählt Laura Bürger. Endlich stellten unsere Frauen auf Dreierkette um und plötzlich änderte sich das Spiel komplett. „Wir hatten danach viel mehr Zug zum Tor, mehr Anspielstationen im Zentrum. Der Glaube kam mit der Umstellung zurück“, sagt Christiane Günther. Und der wurde noch größer, als ein Schuss von Laura Bürger durch alle hindurch ins Tor ging. Knapp fünf Minuten vor Abpfiff, der Anschlusstreffer.

Nun war es ein Spiel auf ein Tor. Unsere Mädels gaben richtig Gas und warfen nochmal alles nach vorne. Mit einer Niederlage wollten sie nicht vom Platz gehen, schon gar nicht als Tabellenführer. „In letzter Sekunde schoss dann Almuth Krüger den Ball an die Latte“, beschreibt Günther die Szenerie und fügt an: „von da prallte der Ball genau vor Lauras Füße. Ich hoffte nur, sie schießt nicht drüber, dann wäre ich ausgerastet.“ Und auch Laura Bürger selbst hat die Szene noch genau vor Augen. „Erst wollte ich ihn gleich wieder raufschießen, doch weil ich Angst hatte ihn über das Tor zu schießen oder den Ball überhaupt nicht zu treffen, habe ich noch einmal ganz kurz angehalten und dann erst geschossen“, so Bürger. Ins Tor! 3:3 in der Nachspielzeit. „Und dann kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Es fühlte sich an wie ein Sieg. Und mit der zweiten Hälfte haben wir den Punkt meiner Meinung nach verdient und können gut damit leben“, sagt Christiane Günther. Und für die Heldin des Spiels war es natürlich auch ein ganz besonderer Moment. „Es war ein schönes Gefühl. Ein Rückstand ist niemals ein Grund aufzugeben. Und ich habe das Gefühl, da sind wir im Team alle einer Meinung. Kampflos aufgeben gibt es nicht, es wird immer weitergekämpft. Und das finde ich schön an unserem Team, du hast keinen gehabt, der mit hängendem Kopf herumgelaufen ist. Alle haben weitergespielt und es hat sich offenbar gelohnt“, berichtet Laura Bürger. Die nächste Partie unserer Mentalitätsmonster ist dann endlich mal wieder im Volksstadion. Am 7. November empfangen unsere Frauen dann Anker Wismar. Anstoß ist um 12 Uhr, kommt alle und unterstützt unser Team!


Aufstellung: Schieback – Mumm, Bücking, Krüger, Salas(46. Gustmann) – Wiechmann, Günther, Bürger – Grube(65. Schuster)


Tore:

1:0 Schädlich(25.)

1:1 Günther(38.)

2:1 Micuta(55.)

3:1 Barner(68./FE)

3:2 Bürger(86.)

3:3 Bürger(90.+2)

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