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Es ist eine richtig erfreuliche Nachricht, die wir nun auch offiziell verkünden können. Wir haben endlich einen neuen Trainer für unsere zweite Frauenmannschaft gefunden. Lucas Passvogel hat sich der Aufgabe angenommen und leitet bereits seit Anfang des Jahres offiziell die Einheiten, war auch beim Turnier in Warnemünde schon an der Seitenlinie. Bislang hatte Anne Räther diese Aufgabe kommissarisch ausgeübt. Aus einer eigentlichen Übergangslösung wurde dann eine für einige Jahre. Wir bedanken uns in allerhöchstem Maße für den Einsatz und die Aufopferungsbereitschaft, die Anne über die Jahre gezeigt hat. Nichtsdestotrotz ist auch sie nun glücklich, dass sie nun endlich wieder einfach nur Spielerin sein darf. Doch wie kam es zu diesem Deal? „Wiebke Timm aus der Mannschaft hat mich gefragt. Mir macht es Spaß die Leute und mich zu fordern. Es war auch mal schön gefragt zu werden, sonst kümmerte ich mich immer selbst. Der Greifswalder FC ist ein sehr großer Verein und daher ist es ja auch eine Ehre für mich gefragt zu werden“, erzählt Lucas.

Wiebke Timm kennt ihn aus einer Gruppe an Leuten, die freizeitlichen jeden Sonntag zusammen auf dem Dubnaring kickt. Dort trainierte und organisierte Lucas Passvogel auch regelmäßig die Einheiten seines Teams – mit dem passenden Namen Passbird United. „Ich hatte einfach mit ein paar Studienfreunden ein Team gebildet und weil wir uns beim Namen immer unsicher waren, habe ich das einfach mal so genannt. Der Name ist dann haften geblieben und wird sogar verwendet, wenn sie ohne mich und in anderen Sportarten antreten“, so der 28-Jährige. Unter dieser Teambezeichnung nahmen sie an vielen Turnieren teil, wurden zumeist Dritter, die sogenannte Passvogel-Garantie. „Meine Teams werden immer Dritter, das ist gut, manchmal nervt es aber auch, weil man auch mal mehr will“, sagt der neue Coach. Kurz vor Corona hatten sie dann angefangen auch richtige Trainings zu machen, während des Lockdowns gab es Einzelübungen. „Wir sind privat alle total verschieden, aber beim Fußball verbindet uns die Leidenschaft. Auch dieser Spirit, dieses ‚Wir schaffen das!‘, gefällt mir dabei sehr gut. Inzwischen sind aber viele schon weggezogen, das ist der Nachteil bei Studenten. Daher ist das Training dort nun etwas zurückgegangen und wir spielen meist nur noch am Sonntag“, berichtet Passvogel.

Das richtige Training macht er nun also bei unserem Greifswalder FC. Bereits im Dezember tastete er sich heran, lernte die Mädchen ein bisschen kennen. Offiziell startete er mit seiner ersten Einheit am 4. Januar. Bis zum Hallenturnier waren es also nur anderthalb Wochen, so richtig konnte er also noch keinen Einfluss nehmen. Nach dem ersten Abtasten war der erste Eindruck von seinem neuen Team aber sehr positiv. „Was ich unglaublich gut finde ist dieses Soziale. Alle sind komplett nett, es ist ein Miteinander, man hasst sich nicht gegenseitig oder ist sauer auf den anderen. Der Zusammenhalt, das ist glaube ich das richtige Wort. Und natürlich die Motivation und die Leidenschaft, auch beim Training, haben mich begeistert“, schwärmt Lucas. Nun sei es für ihn erst mal wichtig, dass er etwas Ordnung und ein Spielsystem in die Mannschaft bringt. Oftmals hörte er schon, dass sie unsortiert seien. Darum möchte er ordentlichen Fußball spielen mit einem System, das zu den Spielerinnen passt. Er liebt die ruhigen Spielphasen in den Teams von Pep Guardiola, aber auch das Pressing und Umschalten in Jürgen Klopps Mannschaften. Und ähnlich akribisch wie die beiden arbeitet auch ein Passvogel. „Ich bin jemand, der sich sehr viel vorbereitet und überlegt, wie genau die Übung am besten umsetzbar ist. Und diese Vorbereitung möchte ich auch auf die Spielerinnen übertragen. Bevor sie den Ball bekommen, sollen sie im Kopf schon fünf Pässe weiter sein, Übersicht ist das A und O“, findet Lucas Passvogel.

Der deutsche Holländer

Diese Mentalität hat er vermutlich aus dem Elternhaus mitgenommen, denn auch dort scheint man vom Kopf her sehr fit zu sein. Geboren ist Lucas zwar in Wasserburg am Inn, ist mit zwei Jahren aber schon nach Rijnsburg in die Niederlande gezogen, ein Ort zwischen Den Haag und Amsterdam. „Es ist schwierig zu sagen wo ich wirklich herkomme. Ich sag Holland, weil es einfach unkomplizierter ist. Weil wenn du sagst du kommst aus München, dann kommen die mit dem bayrisch, das ist mir zu anstrengend“, lacht Lucas. Ganze 17 Jahre lebte er dort, sein Vater arbeitete bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Er selbst ging zwar auf eine deutsche Schule, auch zu Hause wurde Deutsch gesprochen, dennoch kann er auch niederländisch und verspricht diesem Autor ein paar Nachhilfestunden zu geben. Und auch, wenn er sich weder als Deutscher, noch als Niederländer sieht, ist letztlich ein bisschen mehr Verbindung zur Niederlande vorhanden, zumindest fußballerisch. „Holland war für mich mehr das Bezugsland. Dennoch würde ich eher sagen ich bin europäisch, ich guck da nicht so auf das Land. Wenn man mich aber fragt wen ich bei einer WM zum Beispiel unterstütze, dann natürlich Holland. Ich finde die Fans von Deutschland nicht so sympathisch wie die Holländer“, beschreibt es Lucas. Und dort drüben machte er auch seine ersten Erfahrungen mit dem Fußball. Zunächst spielte er mit seinen Brüdern im Garten, dann bei Trainingscamps der angesprochenen ESA. „Die haben dort unheimlich viel für die Kinder angeboten. Da war ich dann an jedem Wochenende mit bei, irgendwann habe ich da sogar in einer Liga mitgespielt, die eigentlich nur für Mitarbeiter war“, erinnert er sich. Später war er dann in Schulmannschaften aktiv, in denen neben Fußball aber auch Basketball, Handball und Volleyball gespielt wurde. „Wir nahmen an internationalen Turnieren gegen andere Schulen teil, die aber meist auch deutlich größer waren als wir. Da waren unter anderem auch U20-Nationalspieler dabei“, sagt Lucas.

Nach der Schulzeit sollte dann aber doch ein Tapetenwechsel her. Seine Eltern hatten bereits für ihre Rentenzeit ein Haus in St. Peter-Ording gekauft und auch für Lucas ging es dann nach Deutschland. Das Ziel lautete: Greifswald! „Meine Brüder haben zu der Zeit auch hier studiert und ich bin ein Kind, das gerne am Meer lebt und deswegen war mir die Küste sehr wichtig. Großstadt wollte ich nicht unbedingt und darum war Greifswald optimal für mich“, erzählt Passvogel und schwärmt weiter: „Ich lebe jetzt seit neun Jahren hier und es ist einfach wunderschön. Nach einem Abschluss habe ich kurz überlegt wegzuziehen, aber meine Verlobte und ich haben gerade während Corona auch nochmal gemerkt, wir leben da, wo andere Urlaub machen. Du konntest nicht verreisen, aber hier konnte man ja trotzdem ans Wasser, das war Goldwert.“ Seine Verlobte, Pia, ist für ihn, neben seinen vier Katzen, das wichtigste im Leben. „Sie ist für mich ein Anker, sie stärkt mir den Rücken, mit ihr kann ich alles besprechen. Der Fels in der Brandung, wie man so schön sagt“, so Passvogel lächelnd. Beruflich ist er inzwischen bei Cheplapharm als Projektmanager in der Pharmakoviliganz, also der Pharmasicherheit tätig. In seiner Freizeit treibt er sehr viel Sport und ihm ist es auch wichtig, so viele Sportarten wie möglich auszuprobieren. Ob nun Ultimate Frisbee, Lacrosse, Bouldern, Karate oder Volleyball, letzteres seit kurzem sogar im Verein, er liebt es sich auszupowern. „Ich muss mich immer bewegen, sich aber nur auf einen Sport zu fokussieren, wäre für mich nicht das richtige. Aber wenn ich mal echt kaputt vom Sport bin, dann sitze ich auch gerne mal an der Konsole und zocke FIFA. Ich koche aber auch gerne seit Corona, schreibe aktuell sogar ein Kochbuch für mich privat und versuche da in Rezepte eine eigene Note reinzubringen“, berichtet Passvogel. Na dann freuen wir uns schon auf ein paar nette Leckerbissen beim nächsten Turnier und sind wahnsinnig glücklich, dass du nun Teil von uns bist. Willkommen, Lucas!

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