Es hatte sich in letzter Zeit bereits abgezeichnet, nun können wir es offiziell vermelden. Unser Greifswalder FC möchte sich im Frauen- und Mädchenbereich stärker engagieren und dort neue Strukturen schaffen. Hierfür hat Lisa Cziborra, Trainerin unserer ersten Frauen, nun auch die Position der Bereichsleiterin übernommen. „Ich werde zunächst auch Trainerin der ersten Frauenmannschaft bleiben, weil das für mich natürlich eine Herzensangelegenheit ist und ich meinen Trainerschein ja auch aus gewissen Gründen gemacht habe. Wer mich kennt der weiß aber, dass ich natürlich auch ein Mensch bin, der Organisation und Struktur mag, der gerne einen Überblick über alles hat und sich auch nicht davor scheut ein paar mehr Aufgaben zu übernehmen“, sagt Cziborra. Die 32-Jährige hat sich seit geraumer Zeit schon mit dem Thema beschäftigt. Dieser Schritt kommt daher nicht von ungefähr. „Ich hab mich etwas mehr mit dem weiblichen Bereich auseinandergesetzt, nachdem ich damals in unserem Podcast ‚Greifbar nah‘ zu Gast war. Da ist es wirklich so gekommen, das ich mir überlegt habe, wieso funktioniert das bei anderen Teams? Teams die wir in der Liga haben aber auch in Stralsund, was nur einen Katzensprung weg ist, dass dort der weibliche Bereich einfach funktioniert und gefördert wird. Ich habe immer gesagt ich gebe meine Kompetenzen und mein Herz ausschließlich für den weiblichen Bereich. Da hab ich einen gewissen Anspruch und auch Ziele, wenn ich in die Zukunft gucke. Und darum hab ich mich entschieden diesen Job zu machen“, sagt Lisa.

Für Lisa sei dies jetzt der nächste Schritt auf einer noch langen Reise. So hätte sie im Umfeld des Frauen- und Mädchenbereiches eine gewisse Unzufriedenheit bemerkt. „Und aus privater Sicht muss ich sagen, was ist wenn meine kleine Tochter, sie ist gerade drei geworden, jetzt sagt, sie möchte Fußball spielen? Dann muss ich ehrlich gestehen, hätt ich keine echte Antwort darauf wo das in Greifswald ordentlich ginge. Und das obwohl ich jahrelanges Vereinsmitglied beim GFC bin. Ich möchte den Mädels die Möglichkeit geben hier in Greifswald in einem Team ordentlich Fußball zu spielen. Das ist der Grund, warum wir das jetzt machen“, sagt Lisa. Dabei spricht sie in der Mehrzahl, weil sie die Aufgabe nicht alleine übernimmt. Ihr zur Seite steht Tobias Gürtler, der sich bereits als Teammanager der ersten Frauen engagiert. „Tobi und ich, das ist ja wie Pech und Schwefel. Er unterstützt mich, es hat auch für ihn angefangen mit unserem Podcast. Seitdem hat ihn das Thema Frauenfußball nicht mehr losgelassen und wir sind in permanentem Austausch geblieben. Und dann hat sich das so rauskristallisiert, dass wir uns tatsächlich sehr gut verstehen, die gleiche Vision haben, uns sehr gut ergänzen, gut miteinander kommunizieren und arbeiten können“, sagt Lisa. Entsprechend teilen sie sich die Aufgaben künftig ein wenig auf. „Wir haben natürlich alle unsere Stärken und Schwächen, genauso auch Tobi und ich. Für mich ist es in Zukunft eher so, dass ich die internen Aufgaben übernehme, sprich Schnittstelle zu den Trainern, Spielern, Eltern bin, also mich dort so ein bisschen mit einbringe. Dort viele Gespräche führe, Informationen weitergebe oder auch Ansprechpartner bin bei Problemen und Sorgen. Und Tobi wird sich um die externen Geschichten kümmern. Er steht dann im Austausch mit dem Landesfußballverband oder übernimmt Aufgaben wie zum Beispiel das Sponsoring“, erklärt Cziborra.

„Wir wollen eine Juliane Rüh“

Nichtsdestotrotz ist es aber dennoch Lisa Cziborra, die den Hut dabei auf hat. Es muss eine Person geben, die als Ansprechpartner/-in fungiert. „Es hat sich ja generell schon rauskristallisiert im Verein, dass im Nachwuchs einfach Bereiche geschaffen wurden, wo Bereichsleiter den Überblick behalten, die ganzen Dinge organisieren, Trainer zusammenhalten, das Trainings- und Spielkonzept erarbeiten und umsetzen. Daher ist es eine logische Konsequenz, dass auch der weibliche Bereich einen Ansprechpartner bekommt für die Trainer, die Eltern im Jugendbereich, für die Spieler. Oder kurz gesagt, dass es einfach ein Gesicht gibt wo man weiß, an die kann ich mich wenden, wenn etwaige Probleme entstehen, jemand Sorgen hat oder auch einfach Fragen“, sagt Lisa. Für die nächste Zeit brauche es nun erst mal ‚Manpower‘. Trainer, Betreuer, Freiwillige die etwas zum Frauenbereich beitragen können und wollen und die Leute, die sich seit Jahren mit viel Engagement und Ehrgeiz für den Frauenfußball einsetzen, entlasten können. Zudem solle es für die kommende Saison im Nachwuchsbereich möglichst schon zwei Teams geben, die am Ligaspielbetrieb oder regelmäßig an Spielrunden und Turnieren teilnehmen. „Perspektivisch möchte ich gerne etwas mehr Konstanz und Stabilität haben, was die Spielerinnen und Trainer angeht. Ich möchte, dass die Mädels aus dem Nachwuchs gut an das Frauenteam herangeführt werden können. Ich liebe ja unsere ganzen Studentinnen, aber leider sind die oft nach ihrem Abschluss auch wieder weg. Darum braucht es eine starke B-Jugendmannschaft“, sagt Lisa Cziborra und schließt mit den Worten: „Ich möchte es so haben wie der männliche Bereich es mit Julian Rüh hat. Ein Greifswalder, der hier aus der Jugend kommt und für die erste Mannschaft kickt. Das muss doch auch bei den Mädels gehen. Wir wollen also in Prinzip eine Juliane Rüh!“

Schreibe einen Kommentar