„In meiner Jugendzeit hatte ich den eher unliebsamen Spitznamen ‚Terrier‘, weil ich mich quasi in die Waden meiner Gegenspieler verbeiße“, erzählt Paula Bartl. Was ihr technisch fehle, mache sie mit Einsatz, Willen und Leidenschaft wett. „Ich bin ein sehr großer Fan von Grätschen, aber natürlich immer in einem fairen Rahmen. Am liebsten renne ich den Gegenspielerinnen einfach solange hinterher, bis sie keine Lust mehr haben“, fasst sie ihren Spielstil zusammen. Die 21-Jährige ist seit Herbst in Greifswald und auch direkt Teil unseres Vereines geworden. Bereits in zwei Verbandsligaspielen stand die Abwehrspielerin mit auf dem Platz, war sogar schon als Torschützin erfolgreich. „Ich durfte mich anfangs im Training im Sturm austoben und auch im ersten Spiel mal für die letzten Minuten vorne ran. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Aber eigentlich bin ich gelernte Abwehrspielerin“, so Bartl. Bis zur U17 war ihr Platz in der Innenverteidigung, dann rückte sie nach außen. „Ich bin dann einfach nicht mehr gewachsen. Und mit 1,57 Metern in der Innenverteidigung, gut, das geht wohl auch, aber ist nicht optimal“, so Paula schmunzelnd.

Geboren und aufgewachsen ist Paula in einem kleinen Dorf in der Nähe von Mönchengladbach, wo sie auch bis zu diesem Herbst lebte. Durch die Nähe ist sie auch Sympathisantin der Borussia. „Bei den Leistungen der letzten Wochen aber bitte nicht ansprechen“, sagt Paula. Gut, machen wir nicht. Verwirrend ist bei ihr nur die Sache mit ihrem Namen. Paula, Pauline, was denn nun? „Offiziell ist mein Name Pauline. In den letzten Jahren hat sich aber als Rufname einfach Paula eingebürgert und so werde ich dann auch auf dem Platz genannt. Ich habe aber kein Problem damit, wenn mich jemand Pauline nennt“, so Pauline. Zum Fußball ist Bartl über ihre Familie gekommen. Ihr Vater sei schon immer begeisterter Fußballer gewesen und auch ihr Bruder hat gekickt. „Wie es eben so ist, möchte man dann auch das machen, was der große Bruder macht. Also haben wir schon immer im Garten gespielt. Es wurde mir quasi in die Wiege gelegt“, erzählt unsere Nummer 12. Einen Verein zu finden fiel ihr jedoch zunächst schwer. Mit etwa zehn Jahren entdeckte sie dann aber mit TuRa Brüggen einen der wenigen Vereine in ihrer Gegend, der eine Mädchenmannschaft hatte und ist dem Team bis heute treu geblieben. „Dort habe ich alles bekommen, was ich gebraucht habe und fast alles gelernt, was ich heute kann“, so Paula.

Letzter Schliff in Namibia

Und doch ist TuRa Brüggen nicht die einzige Erfahrung, die Bartl fußballerisch gemacht hat. Einen letzten Feinschliff holte sich Paula in ihrem Auslandsjahr. Das hat sie im afrikanischen Land Namibia absolviert. „Dort habe ich natürlich auch Fußball gespielt, allerdings bei den Jungs. Und da lernt man natürlich nochmal auf andere Weise sich durchzusetzen“, berichtet sie. Nun zog es sie für ihr Humanbiologie-Studium in unsere schöne Universitäts- und Hansestadt. Bisher sei sie sehr glücklich mit ihrer Wahl, da sie sich jedoch für sehr viele Dinge im Bereich der Naturwissenschaften begeistern könne, ist sie noch gar nicht so sicher, wohin es sie beruflich verschlägt. „Ich weiß nicht, vielleicht arbeite ich irgendwann in einem Labor, vielleicht doch mehr mit Menschen zusammen. Ich bin unheimlich gespannt, wohin mich das Studium am Ende führen wird“, sagt Paula. Zunächst erst mal zu unserem Greifswalder FC. Nachdem klar war, wo sie studieren würde, machte sie sich natürlich im Internet schlau darüber, was es für Vereine gibt. Sie kontaktierte dann unsere zweite Frauenmannschaft auf Instagram. „Ich habe direkt an meinem ersten oder zweiten Abend in der neuen Stadt mittrainiert und hatte auch viel Spaß. Eine Woche später schaute ich dann beim Pokalspiel der ersten Frauen gegen den Rostocker FC zu und dachte mir nur, dass das Niveau viel zu hoch für mich wäre“, erinnert sich die Studentin. Aber weit gefehlt. Nur wenig später trainierten unsere Frauenteams zusammen, Paula überzeugte und wurde von Coachin Burmeister zum Training der Verbandsligatruppe eingeladen. „Das hat mich natürlich unheimlich gefreut und die Mädels haben mich auch gleich super aufgenommen. Da war es dann auch gar nicht so schwer, mich gut in die Mannschaft zu integrieren“, sagt Paula. In den letzten beiden Spielen vor der Winterpause, dem Sieg über Wismar und der Niederlage gegen Warnemünde, stand Bartl auf dem Platz und überzeugte auch da wieder das Trainerteam. Sie selbst möchte ihre Leistungen allerdings noch nicht zu hoch hängen. Sie hebt vor allem den Spaß mit ihrem neuen Team hervor, das ihr nochmal eine neue Art des Teamspirits vermittelt hat. „Bei meiner alten Mannschaft war es auch toll, aber da gibt es immer etwas mehr Feuer, sag ich mal. Hier sind alle sehr positiv. Und ich bin auch begeistert, wie viel Kontakt man auch außerhalb des Fußballplatzes hat. Man macht sich ja vorher so seine Gedanken, wenn man in ein neues Team kommt, will sich keine zu großen Hoffnungen machen. Aber ich bin unfassbar begeistert von der Mannschaft und bin sehr dankbar dafür, dass ich sie gefunden habe“, fasst Paula zusammen. Wir freuen uns auch sehr, dass du zu uns gefunden hast Paula und freuen uns schon darauf im neuen Jahr deine Grätschen bejubeln zu dürfen. Aber natürlich, immer fair.


Fotos: André Gschweng

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