Es waren bittere Minuten für unseren Greifswalder FC. Der sechste Schütze der Neustrelitzer hatte den entscheidenden Elfmeter verwandelt. Die Minuten danach, schwierig für jeden, der es mit unseren Jungs hält. Trauer und Enttäuschung, Wut. Und auf der anderen Seite die feiernden TSG-Spieler mit ihren Anhängern im eigenen Stadion. Der Stachel saß tief und nur schwer war dieses Bild zu ertragen. Velimir Jovanovic ging gemeinsam mit dem humpelnden Marco Kröger in Richtung der eigenen Fans, die unseren Stehblock haben kochen lassen. Unser Kapitän bedankte sich, klatschte mit einigen der Zuschauer ab, applaudierte für die großartige Leistung, die unsere Anhänger während der 120 Minuten gezeigt hatten. Für das Herzblut, für die uneingeschränkte Unterstützung. Nachdem unsere Jungs die Glückwünsche für den zweiten Platz entgegengenommen hatten, blieben einige noch auf dem Feld stehen. Joe-Joe Richardson zum Beispiel schaute sich die Pokalübergabe an, während die Sonne langsam hinter der Haupttribüne verschwand. Im Moment, als TSG-Kapitän Kevin Riechert den Pott hochstemmte, musste er dann aber doch wegsehen. Es fühlte sich an wie ein Tritt in die Magengrube.

Das Spiel begann relativ zäh, vor allem aus Sicht unseres GFC. Bei starkem Regen in der ersten Hälfte fiel es unseren Jungs schwer richtig ins Spiel zu finden. Neustrelitz kam etwas besser rein, wirklich Chancen erarbeiteten sich die Gastgeber jedoch auch nicht. Erst nach knapp 24 Minuten waren unsere Jungs erstmals gefährlich vor dem gegnerischen Kasten. Nach einem Zuspiel von Appiah verfehlte Velimir Jovanovic in seinem vermutlich letzten Landespokalspiel, und das an alter Wirkungsstätte, nur sehr knapp. In der 30. Minute dann der Schockmoment. Nach einem Zweikampf blieb Rechtsverteidiger Marco Kröger plötzlich liegen. Kay Behrens, unser medizinischer Betreuer, wusste sofort, wenn Marco liegt und schreit ist es ernst und so stand er umgehend an der Seitenlinie und forderte auf das Feld zu dürfen. Und der Verdacht bestätigte sich, „Krögi“ musste ausgewechselt werden. Verdacht auf Außenbandriss. Für ihn kam Tom Selchow ins Spiel. Bis zur Halbzeit passierte nicht mehr viel, jedoch war es auch Tom, der zu Beginn der zweiten Hälfte die erste Gelegenheit hatte. Ein toller Weitschuss von „Selche“ huschte allerdings knapp am linken Pfosten vorbei.

Pokal-Appi wieder erfolgreich

Die zweite Halbzeit war dann sehr viel ausgeglichener, allerdings ohne, dass es die ganz großen Chancen gab. Von unserer Seite war es Hannes Mietzelfeld, der einen Schuss knapp vorbeisetzte, aber viel mehr passierte eigentlich nicht mehr. Das hieß natürlich: Verlängerung. Dort sollte es dann richtig zur Sache gehen. 100 Minuten waren gerade gespielt, da flog eine Ecke in den Strafraum der Neustrelitzer. Zunächst kam Appiah nicht richtig an den Ball, der sprang dann aber doch nochmal zu ihm zurück und da hämmerte unser Stürmer ihn unter die Latte. 1:0,  und wie schon im Viertelfinale in Schwerin und im Halbfinale in Pastow hieß der Torschütze Peterson Appiah. Danach versuchten unsere Jungs natürlich das Spiel ins Ziel zu bekommen. In der letzten, kurzen Unterbrechung schworen sie sich nochmal ein. Und es sah auch gut aus, immer wieder ergaben sich Kontergelegenheiten, denn die TSG musste alles nach vorne werfen. Doch die Möglichkeiten wurden nicht sauber zu Ende gespielt. Die beste Gelegenheit hatte Michael Scavuzzo mit einem Weitschuss, der nur minimal am rechten, oberen Knick vorbeirauschte. Die Partie, sie schien entschieden. Dann aber kam nochmal ein letzter Eckball der Neustrelitzer. Mika Schneider versuchte ihn wegzuboxen, wurde leicht behindert, der Ball sprang zu Justus Guth und der traf das Leder nicht richtig. Dennoch fand der Ball den Weg ins Netz und somit gelang den Gastgebern in letzter Sekunde doch noch der Ausgleich. Es ging ins Elfmeterschießen. Nachdem die ersten fünf Schützen beider Teams trafen, hielt Delpino den Versuch von Lukas Knechtel. Torben Gäbel schob daraufhin sicher zum Landespokalsieg der Neustrelitzer ein. Es war ein harter Moment für alle Beteiligten, in dem selbst die, die sonst seit Jahren kein Problem haben die Fassung zu wahren, ein paar Tränen in den Augen hatten. Es soll aber zeitgleich, da sind wir uns alle einig, der letzte Twist sein, der letzte Rückschlag in unserer Geschichte, die mit großer Ekstase und einem Moment großer, schöner Emotionen endet. Unser Weg im Pokal ist vorbei, nicht aber in der Liga. Und da geht es am Donnerstag weiter in Stahnsdorf.


Aufstellung: Schneider – Kröger(30. Selchow), Sanin, Rüh, Mietzelfeld(112. Farr) – Richardson, Müller – Knechtel, Jovanovic(68. Lazdins), Hecker(103. Sindik) – Appiah(103. Scavuzzo)


Tore:

0:1 Appiah (101.)

1:1 Guth (120.)


Elfmeterschießen:

1:2 Sindik

2:2 Guth

2:3 Rüh

3:3 Ladwig

3:4 Sanin

4:4 Jarosz

4:5 Selchow

5:5 Röth

5:6 Richardson

6:6 Riechert

Knechtel verschießt

7:6 Gäbel